Gut aufgehoben in der Kita – Buchrezension

Was bedeutet es, gut in der Kita aufgehoben zu sein? Dieser Frage widmen sich die beiden Autor*innen Hans-Joachim Laewen und Beate Andres in ihrem Buch „Gut aufgehoben in der Kita. Zur Praxis einer professionellen Ethik.

Um sicherzustellen, dass Kinder in der Kita gut aufgehoben sind, braucht es ihrer Meinung nach eine gute Prozessqualität, die ganz klaren Regeln und Standards folgt. Ähnlich wie in der Medizin wünschen sich die beiden Autor*innen eine Berufsethik, um einer wie sie meinen, noch stark schwankender Prozessqualität vorzubeugen. Es sei nicht ausreichend, wenn Fachkräfte „nur“ nach ihrem Bauchgefühl oder aus ihrer Berufserfahrung heraus handeln würden.

„Wir schätzen die Risiken einer unzureichenden Betreuungsqualität als so beträchtlich ein, dass über die ethische Dimension einer solchen Praxis nicht länger hinweggesehen werden kann“

(S. 29)

Kinder darf und soll in der Kinderbetreuung nicht geschadet werden. Der aktuelle Stand der Forschung weise ihrer Meinung nach jedoch – insbesondere für Krippenkinder – eine Reihe an Risiken auf. Sie zitieren dabei Stressstudien zum Cortisolgehalt im Speichel der Kinder, die NICHD-, die NUBBEK-Studie und die Wiener Krippenstudie (vgl. S. 39ff.). Diese Erkenntnisse und die Erfahrungen aus der Praxis geben also „Anlass zur Sorge“ (S. 55).

Laewen und Andres weisen jedoch auch darauf hin, dass die Betreuung von Kindern nicht schade, wenn sie von hoher Qualität sei. Da in vielen Einrichtungen die Prozessqualität jedoch nicht ausreichend gut ist, muss sich ihrer Meinung nach dringend etwas ändern.

Um eine Berufsethik für pädagogische Fachkräfte zu entwickeln, können die zum Buch beiliegenden „Arbeitsbögen zur Sicherheit der pädagogischen Qualität“ genutzt werden. Darin werden die Parameter einer guten Interaktionsqualität und die Voraussetzungen dafür aufgeschlüsselt eine Praxis zu etablieren, in der Kinder gut aufgehoben sind.

Die Arbeitsblätter befassen sich beispielsweise mit folgenden Themen und Fragen:

  • Wie ist das Vertrauen im Team?
  • Werden Strafen angewandt?
  • Herrscht eine Atmosphäre der Angstfreiheit?
  • Wie kann Stress vermieden werden?
  • Wie sind die Haltungen und das Verhältnis zu den Eltern?
  • Wie gut ist die Fachkraft-Kind-Beziehung?
  • Wie werden die Übergangsphasen gestaltet?
  • Wie geht es dem Kind? uvm.

Mithilfe von acht Arbeitsblättern kann die Einrichtung ihre eigene Qualität einschätzen, sie auswerten und, das ist wohl das Wichtigste, miteinander ins Gespräch kommen.

Laewen, H.-J. & Andres, B. (2022): Gut aufgehoben in der Kita. Arbeitsbögen zur Sicherung der pädagogischen Qualität, S. 4.

„Qualität ist in jeder Kita möglich!“ so die Autor*innen, wenn das Wohlbefinden der einzelnen Menschen, ob groß oder klein, immer wieder beobachtet und auf den Prüfstand gestellt werde. Pädagogische Fachkräfte sollten sich immer wieder die Frage stellen, ist ein jedes Kind in unserer Einrichtung gestresst oder gut bei uns aufgehoben?!

Das Buch „Gut aufgehoben in der Kita“ und das dazugehörige Arbeitsbuch sind hilfreich, um die Relevanz pädagogischer Arbeit und ihre Qualität zu verdeutlichen. Mit dem Arbeitsbuch kann es jedem Team gelingen, einzelne Situationen und einzelne Kinder in den Blick zu nehmen und zu hinterfragen, was können wir tun, um unsere Arbeit zu verbessern sowie dafür Sorge zu tragen, dass ein jedes Kind gut bei uns aufgehoben ist?

Quellen:

Laewen, H.-J. & Andres, B. (2022): Gut aufgehoben in der Kita. Zur Praxis einer professionellen Ethik. Freiburg im Breisau: Herder.

Laewen, H.-J. & Andres, B. (2022): Gut aufgehoben in der Kita. Arbeitsbögen zur Sicherung der pädagogischen Qualität. Freiburg im Breisau: Herder.

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